Hauptschule Sophienstrasse

Hauptschule Sophienstraße - Braunschweig


 

Sozialkompetenz durch

Selbstbewusstsein und Selbstbehauptung

(Gewaltprävention in der Schule)

Autor: Wolfgang Pein

www.sozialkompetenz-training.de

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Ein sich ständig neu darstellendes Problem unserer Gesellschaft ist die Forderung nach Integration aller Kultur-, Religions- und ethnischen Gemeinschaften. Es ist schwierig, die einzelnen Gruppen zu erreichen, da sich einige in ihre abgekapselten Bereiche zurückgezogen haben. „Man bleibt unter sich.“

In der Schule kommen die Gruppen zusammen, denn die Schulpflicht betrifft alle. Hier kann man also ansetzen, um Grundlagen zu schaffen, die langfristig zu einem friedlichen Zusammenleben führen werden. Ein friedliches Zusammenleben fördern ist eine zunehmende Aufgabe der Gesellschaft, denn die Gewaltbereitschaft scheint in unserem Lande immer mehr zuzunehmen. Auch in einigen Schulen ist dieser Mangel an Toleranz und Verständnis zu bemerken. Höflichkeit und Rücksichtnahme scheinen nicht mehr „in“ zu sein. Wenn es uns gelingt, die Gewaltbereitschaft zu vermindern, werden wir auch erfolgreich sein in dem Bestreben, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit auszuschließen. Durch die Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen erschafft man sich ein Feindbild, auf dem man allen Hass abladen kann. Das diese Haltung in extreme Gewalt münden kann, hat uns die Geschichte des letzten Jahrhunderts gezeigt. Es gilt, den Anfängen zu begegnen, damit Gewalt nicht als mögliche Lösung erscheint.

Gewalt in der Schule ist nur ein kleiner Teilaspekt der zunehmenden Gewaltbereitschaft und Gewaltausübung in unserer Gesellschaft. Gewalt ist vielerorts schon zur Selbstverständlichkeit geworden und teilweise auch schon akzeptiert. Hinzu kommt, dass Gewalt innerhalb der Familien häufig nicht nach außen getragen wird, um den Ruf der Familie nicht zu gefährden. Die Auswirkungen aber zeigen sich in der Gesellschaft also auch in der Schule. Hier liegt eine große Schwierigkeit der Arbeit gegen die Gewalt in Schulen. Die notwendige Bearbeitung der Ursachen zur Behebung von Gewaltbereitschaft wird dadurch behindert, dass Schülerinnen und Schüler täglich zurückgehen in ein Umfeld, welches nicht die gleichen gewaltfreien Ziele verfolgt wie die Schule.

Jiu-Jitsu

 

Gewalt ist attraktiv!

Dieser provozierende Satz ist der Schlüssel zu den Problemen, vor der die Gewaltprävention steht. Schüler und Schülerinnen, doch nicht nur die, unterliegen dem Gefühl, in der Gewalttat beobachtet, wahrgenommen und sogar mit Respekt behandelt zu werden. Gewalt kann man ohne besondere Kenntnisse und Qualifikationen einsetzen. Gewalt ermöglicht Körpererfahrung und sie klärt Situationen. Gewalt ermöglicht die Durchsetzung eigener Interessen. Durch die Ausübung der Gewalt bricht man Tabus und Regeln, die nicht eigenen Ideen entsprechen. Durch die Gewaltanwendung erfährt man den „Kick“ des Siegens. Gewalt steigert das Ansehen in eigenen Kreisen und schafft so Freunde unter Gleichgesinnten.


Wir müssen uns also damit abfinden, dass Gewaltbereitschaft und Gewaltanwendung zum Alltag unserer Schülerinnen und Schüler gehört. Die zu ergreifenden Maßnahmen müssen die vorhandenen Aggressionen und Frustrationen in ungefährliche Bahnen lenken und durch gezielte körperliche Betätigung überschüssige Kraft abbauen.

Gewalt zeigt sich in mehreren Ausprägungen im Schulalltag. Es ist gleichgültig, ob sich die Gewalt (verbale wie auch körperliche) gegen Mitschülerinnen und Mitschüler richtet, oder gegen Lehrkräfte, es gibt für beide Fälle keine Rechtfertigung. Besonders leicht lässt sich Gewalt gegen „Randgruppen“ ausüben. Der vermeintlich stärkere hat Bewunderer und Mitläufer. Da sich diese „Randgruppen“ dann abkapseln, entsteht wieder eine Keimzelle für neue Gewalt. Es können leicht verallgemeinernde Aussagen zur Verfestigung von Vorurteilen werden, die dann in ausgeprägtem „Fremdenhass“ münden.

Gewalt wird definiert als Manifestation von Macht oder Herrschaft. Um Macht über andere ausüben zu können, wird oft Gewalt in verbaler oder körperlicher Art ausgeübt. Verbale Gewalt ist häufig der Auslöser für eine Eskalation in körperliche Auseinandersetzungen, die ihrerseits wiederum durch Eskalation zu Verletzungen führen. Eine Veränderung dieser Situation scheint nur durch die Behandlung der Wurzel möglich zu sein.

Die Wurzel von Machtstreben und Intoleranz ist aber häufig mangelndes Selbstbewusstsein. Folglich ist eine Steigerung der Selbstachtung und des „sich selbst bewusst seins“ eine Möglichkeit, Gewalt nicht entstehen zu lassen. Ein selbstbewusster Mensch hat es nicht nötig, sich durch Gewalt einen Rang zu erkämpfen.

Doch auch ein grundsätzlich friedfertiger Schüler oder eine friedfertige Schülerin kann durch andere angegriffen werden und sich dann zu Gewalthandlungen „genötigt“ fühlen.

Hier ist noch eine Notwendigkeit der allgemeinen Gewaltprävention an Schulen. Es ist nicht ausreichend, auf einzelne Schülerinnen und Schüler einzuwirken, sondern die Vorbeugung muss Prinzip der Schule sein, muss durchgängig gelebt und gefördert werden.

Wie erreicht man die Steigerung des Selbstbewusstsein?

Wie erreicht man nun eine Steigerung des Selbstbewusstseins bei Schülern? Häufig ist ein Defizit dadurch zu erklären, dass der Schüler oder die Schülerin etwas sucht, um sich aus der Masse herauszustellen, und sei es durch auffälliges negatives Verhalten. Schule kann aber in vielen Bereichen den Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten bieten sich in positiver Hinsicht auszuzeichnen. Natürlich gibt es viele Schülerinnen und Schüler die in den traditionellen Unterrichtsfächern keine besonderen Erfolge haben. Gerade die Kinder und Jugendlichen, die nicht durch intellektuelle Leistungen Bestätigung in der Schule erlangen, sollten andere Angebote nutzen. Sportliche Betätigung kompensiert Aggressionen und bindet Kraft. Doch nicht alle Sportarten führen zu dem gewünschten Erfolg der Gewaltvermeidung. Ein ohne großen Aufwand durchführbarer Lehrgang in einer Budo-Kampfsportart kann zum gewünschten Ergebnis führen.

Doch nicht alle Schülerinnen und Schüler werden über die sportliche Betätigung erreicht werden können. Ihnen muss eine andere Form der Prävention angeboten werden, die aber zu dem gleichen Ziel der Steigerung des Selbstwertgefühls führt. Hier eignet sich besonders die Beschäftigung mit Musik. Das Erlernen des Spielens eines Musikinstrumenten fordert von den Schülerinnen und Schülern ein hohes Maß an Konzentration und Koordination, selbstverständlich fördert es auch die Ausbildung des Rhythmusgefühls. Wenn die Schüler dann zusammen spielen, ist auch noch der Teamgeist gefragt und die Rücksichtnahme ist unumgänglich.

Nicht nur die Kompensation von Aggressionen führt zu mehr Sozialkompetenz, sondern es ist heute für viele Schülerinnen und Schüler notwendig, grundlegende Fähigkeiten und Verhaltensweisen einzuüben, die in der Vergangenheit in den Familien trainiert worden sind.

Hierzu gehören auch die sogenannten „Tischsitten“. Viele unserer Schülerinnen und Schüler sind es nicht mehr gewohnt, im Familienverband zu essen und sich bei Tisch rücksichtsvoll zu verhalten. Die Schule muss zunehmend neben der Vermittlung gesunder Ernährung auch hier die Aufgaben der Erziehung übernehmen. Auch das kann nicht durch reine Unterweisung geschehen, sondern muss gelebt werden.

Begrüßungen und Ansprachen an andere Menschen, bereiten zunehmend den Schülerinnen und Schülern Probleme. Angemessenes Auftreten und Reagieren auf soziale Situationen ist nicht mehr als selbstverständliche Voraussetzung für die Mitarbeit in der Schule festzustellen. In diesem Bereich wird zunehmend die Schule und hier besonders die Hauptschulen gefordert, die Schülerinnen und Schüler mit den richtigen Verhaltensmustern auszurüsten. Sollte es den Lehrerinnen und Lehrern nicht gelingen, die Jugendlichen auch im gesellschaftlichen und im sozialen Bereich auf die Zukunft vorzubereiten, werden immer mehr junge Menschen ohne ihr Verschulden mit schlechten Voraussetzungen in die Berufswelt wechseln.

Alle Bemühungen, Schülerinnen und Schüler durch Betrieb- und Praxistage auf die Arbeitswirklichkeit vorzubereiten, nutzen wenig, wenn grundlegende Verhaltensweisen und soziale Umgangsformen nicht beherrscht werden. Auch hier kann das Sozialkompetenz-Training Grundlagen schaffen, die den Schülerinnen und Schülern helfen, sich in der Umwelt zurecht zu finden. Neben sportlicher Betätigung und anderer individuellen Entwicklungen sowie gruppendynamischen Angeboten sind also auch sozial integrative Unterweisungen notwendig. Wichtig ist hier aber auch, die Kinder und Jugendlichen so anzusprechen, dass sie die Anforderungen akzeptieren und gern die Herausforderung annehmen.

Maßnahmen, die die Schule ergreifen kann

Neben den Budo-Kampfsportarten wie Karate, Kungfu, Jiu Jitsu, Judo oder Kendo, kann auch Yoga, Qigong oder Taiji sowie noch andere Möglichkeiten wie Trommeln, das Spielen eines Blasinstrumentes oder eine Theater- oder Tanzgruppe, Erlebnispädagogik wie z.B. Klettern u. ä. oder das Erlernen gesellschaftlicher Umgangsformen eingesetzt werden, die regelmäßig wenigstens doppelstündig oder an 2 Tagen einstündig, für die Schüler verbindlich, angeboten werden sollen. In diesen Zusammenhang kann auch die Ausbildung der Schulsanitäter oder der Streitschlichter gestellt werden. Alle diese Angebote können allerdings nur angerissen werden, denn sie sollen nur den Anreiz bilden, sich in den folgenden Jahren fortzubilden und höhere Kompetenz zu erlangen.

Im Besonderen die Ausbildung zum Schulsanitäter, zur Schulsanitäterin ist für einige Schülerinnen und Schüler eine sehr interessante Möglichkeit, um sich aus der „Masse“ herauszuheben. Helfen zu können ist sicherlich für viele ein besonderes Privileg. Diese Privilegierung führt zur Verinnerlichung des Prinzips “Helfende Hände schlagen nicht“.

Den gleichen Erfolg kann auch die Ausbildung zum Streitschlichter, zur Streitschlichterin haben. Wichtig ist es, die Bereitschaft zu fördern oder zu wecken, sich für andere einzusetzen.

Durch den meditativen Charakter der Betätigung bzw. der direkten Beschäftigung mit Hilfe für den Mitmenschen oder der unbedingt notwendigen Zusammenarbeit wird sich nach einiger Zeit eine positive Änderung des Verhaltens abzeichnen. Die Schüler und Schülerinnen werden den Tag ruhiger und konzentrierter angehen können. (Entsprechende Wirkungen wurden bereits in einer Schule beobachtet. Im Zusammenhang mit der Musikausbildung liegen bereits gesicherte positive Erkenntnisse vor.).

Wer soll Übungsleiter sein?

Die Vermittlung der Einheiten, die der Gewaltprävention dienen, sollen möglichst nicht durch Lehrkräfte der eigenen Schule erfolgen. Von anderen Schulen abgeordnete Lehrende, Trainer oder Übungsleiter können ein anderes, nicht durch Zensuren geprägtes Verhältnis zu den Schülerinnen und Schülern aufbauen. Ein besonderes Vertrauensverhältnis zu den Mittlern der Prävention fördert auch die Akzeptanz des Inhaltes. Schülerinnen und Schüler sind eher bereit, bestimmte Verhaltensweisen zu leben, wenn sie glaubwürdig und freundlich ohne unnötigen Druck (Zensuren) vermittelt werden. Eine sorgfältige Auswahl der Lehrenden ist darum unbedingt notwendig. Langfristig können aber auch besonders geeignete Schülerinnen und Schüler höherer Klassen als Übungsleiter eingesetzt werden.

Die Schule sollte unbedingt versuchen, die Polizei mit in das Konzept einzubinden um Vertrauen zur Exekutive zu vermitteln und frühzeitig positive persönliche Erfahrungen der Schüler zu ermöglichen. Die Leitung einer der Gruppen durch einen Polizeibeamten oder eine Polizeibeamtin wäre optimal. Auch andere Institutionen der Gesellschaft können durch ihre Präsenz ein modifiziertes Bild bei den Schülerinnen und Schülern erzielen.

Wenn es möglich ist, wäre auch die Kooperation mit einer Musikschule sehr wünschenswert, da die musikalische Ausbildung durch Musikpädagogen zu den gleichen Zielen führen kann wie die sportliche Betätigung. Im Gemeinschaftsmusizieren steigt die Teamfähigkeit, das Vertrauen in die Gruppe und in die Zuverlässigkeit jeden einzelnen Mitglieds. Die Umwelt- und Umfeldwahrnehmung wird differenzierter. Die Gruppe verabredet und verfolgt gemeinsame Ziele und spornt dadurch die Leistungsbereitschaft und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten jeden einzelnen Mitgliedes an. Nicht selten sind nach kurzer Zeit schon Verbesserungen in den schulischen Leistungen wie sozialen Fähigkeiten festzustellen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Einbeziehung von Vereinen der Umgebung, um Schüler und Schülerinnen über den Kontakt in der Schule in eine sinnvolle Freizeitgestaltung einzuführen.

Ziel aller Bemühungen muss es sein, den Schülerinnen und Schülern neben der Steigerung des Selbstwertgefühls auch neue Perspektiven der Freizeitgestaltung aufzuzeigen. Und natürlich auch durch enge Kooperation mit den Eltern eine Unterstützung von dieser Seite sicherzustellen. Zunehmend ist die finanzielle Belastung der Familien der Schülerinnen und Schüler, besonders in den Hauptschulen, immer angespannter. Auch aus diesem Grunde ist die Schule aufgerufen, ihre Schülerinnen und Schüler mit Freizeitgestaltungsmöglichkeiten bekannt zu machen, die ihnen die Eltern nicht bieten können. Wenn nicht die Schule das Interesse wecken kann, werden viele Leistungspotenziale unserer Schülerinnen und Schüler brach liegen bleiben.

Sicherlich ist es notwendig, zukünftig auch die Eltern direkt in das Projekt mit einzubeziehen, doch eine Möglichkeit der Einbindung muss erst noch erarbeitet werden. Ideal ist es natürlich, wenn man Eltern gewinnen kann, als Übungsleiter in der Schule tätig zu werden. Dann ist allerdings darauf zu achten, dass nicht die eigenen Kinder unterrichtet werden.

Getragen wird dieses Projekt durch den gemeinnützigen Verein „Gewaltlos Starksein e.V“.

Partner dieses Projektes sind bisher:

- Der Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig Dr. Gert Hoffmann
- Landesschulbehörde, Abteilung Braunschweig
- Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Stadt Braunschweig
- Fachbereich Schule und Sport der Stadt Braunschweig
- GUV Abt. Braunschweig
- Probst Armin Kraft
- Jugend - Oberstaatsanwalt a. D. V. Lenz
- Lions Club „die Leoniden“
- Lions Club, Braunschweig
- Aktion Mensch 5000 x Zukunft
- Jugendrotkreuz
- DRK, Ortsverein BS-Mitte
- NORD / LB, Braunschweig
- Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz
- Richard Borek Stiftung
- Hans und Helga Eckensberger-Stiftung
- Städtische Musikschule, Braunschweig
- Bereitschaftspolizei, Braunschweig
- Öffentliche Sachversicherung, Braunschweig
- CKC, Braunschweig
- Volkswagen, Braunschweig
- Dr. Kurt und Ruth Gahnz Stiftung
- Volkshochschule Braunschweig
- Schöne Fotos by Christine
- Braunschweiger Service Point
- Mathias Möreke
- Kahl-Media (Holger Kahl)
- Wing-Chun Kung-Fu
- ZENtral DOJO, Braunschweig
- Anti Rost, Braunschweig
- HS Sophienstraße, Braunschweig
- GHS Rüningen / HS Heidberg / GS Bürgerstraße

Ziele des Projektes:

Jeder vermiedene Streit oder Kampf
ist ein großer Sieg für alle Beteiligten

Entwicklung einer positiven Persönlichkeit
Förderung der Bereitschaft zur Deeskalation
Steigerung der Konzentrationsfähigkeit
Verbesserung der Koordinationsfähigkeit
Steigerung der Sensibilität in der Körperwahrnehmung
Förderung des Einfühlungsvermögens
Entwicklung des Rhythmusgefühls
Entwicklung einer bewussten Körpersprache
Einlassen auf alternative, gewaltfreie Konfliktlösungsmöglichkeiten
Steigerung des Selbstbewusstseins und der Selbstbehauptung
Steigerung der Bereitschaft zum Einhalten von Regeln
Verbesserung der Teamfähigkeit
Steigerung der Sozialkompetenz


Jeder vermiedene Streit oder Kampf
ist ein großer Sieg für alle Beteiligten

Vorschlag einer praktischen Umsetzung:

Die Schüler wählen jeweils für ein Halbjahr eines der Angebote. Ob eine Wiederwahl des Bereiches möglich sein soll oder nicht, sollte eine, den jeweiligen Erfordernissen angepasste Entscheidung bleiben. Grundsätzlich ist es aber denkbar, dass ein Schüler oder eine Schülerin über mehrere Jahre bei einem Thema bleibt. Diese Entscheidung muss in sehr enger Zusammenarbeit und Absprache zwischen den Lehrenden erfolgen.

1. Dieses Modell soll aus zwei Teilen bestehen.

Jeden Montag in der ersten Stunde findet in den Klassen 5 und 6 jeweils eine „Besprechungsstunde“ statt, in der sowohl die vergangene Woche als auch die zu planende Woche diskutiert werden kann. Hier ist auch Platz, um klasseninterne oder jahrgangsinterne Probleme zu besprechen. Den jeweils nötigen Rahmen legen die KlassenlehrerInnen fest.

2. An jedem Mittwoch und Freitag in der ersten Stunde finden die klassenübergreifenden Kurse in Gruppen, die kleiner sind als Klassengröße, statt. Kleinere Gruppengrößen sind möglich, da der Unterricht von externen Lehrenden erteilt werden soll. Es werden also keine zusätzlichen Lehrerstunden benötigt.

Die Stunden, die hierfür zur Verfügung stehen müssen, sollten zu Lasten der Fächer Sport und GSW gehen. Eine der beiden Stunden kann auch die im Erlass vorgesehene 3. Sportstunde sein. Die Montagstunde ist in der 5. Klasse die klassengebundene Verfügungsstunde, in der 6. Klasse müsste die Stunde aus einem anderen Bereich, evtl. wechselnd aus dem Stundenkontingent der KlassenlehrerInnen genutzt werden.

Die Fächer Sport und GSW eignen sich besonders, da die angestrebten Ziele der Präventionsarbeit in den Rahmenrichtlinien dieser Fächer zu finden sind. Auch der Einsatz einer dritten Sportstunde (siehe Erlass) ist möglich. Die Begründung für eine notwendige Gewaltprävention ergibt sich auch aus dem Erlass v. 15.02.2005.

Die Befürchtung, dass durch die Verringerung des Unterrichtsangebotes Lerndefizite entstehen, erscheint unbegründet, da mit diesen Maßnahmen die Lerndisziplin in den Klassen erhöht werden kann. Diszipliniertes und konzentriertes Arbeiten führt zwangsläufig auch zu mehr Erfolg. Mehr Erfolg führt zu mehr Zufriedenheit mit sich selber, mehr Anerkennung und damit zu mehr Selbstbewusstsein und zur Steigerung des Selbstwertgefühls.

Natürlich kann es auch sinnvoll sein, ein doppelstündiges Angebot zu machen. Besonders in den sportlichen Bereichen sind 90-minütige Übungseinheiten vorteilhaft.Tabellarische Darstellung der Umsetzung des Projektes „Gewaltprävention“ (GWP)

  Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
1. Std. Forum 1 Kernunterricht GWP 5/6 2 Kernunterricht GWP 5/6 2
2. Std. Kernunterricht Kernunterricht Kernunterricht Kernunterricht Kernunterricht
3 Std. Kernunterricht Kernunterricht Kernunterricht Kernunterricht Kernunterricht
4. Std. Kernunterricht Kernunterricht Kernunterricht Kernunterricht Kernunterricht
5. Std. Kernunterricht Kernunterricht Kernunterricht Kernunterricht Kernunterricht
6. Std. Kernunterricht Kernunterricht Kernunterricht Kernunterricht Kernunterricht

 

1 Forum: In dieser Stunde sollen die KlassenlehrerInnen mit der Klasse die Woche pädagogisch vorbereiten oder besondere Probleme besprechen. Dieses geschieht im Klassenverband oder bei Bedarf im Jahrgang oder jahrgangsübergreifend.

Aus der Stundentafel des 5. Jahrganges ist dies die Klassenverfügungsstd., im 6. Jahrgang soll dazu eine Unterrichtstunde der Klassenlehrers, der Klassenlehrerin dienen

2 Jahrgangsübergreifende Veranstaltung zum Aufbau der Sozialkompetenz. An dieser Veranstaltung nimmt jeder Schüler, jede Schülerin des 5. u. 6. Jahrganges für ein Halbjahr teil. Danach soll in einer neuen Gruppe eine neue Erfahrung gemacht werden.

Diese Stunden können aus den Fachbereichen Sport (z. B. dritte Sportstunde), GSW oder Rel./WN kommen. Hierüber entscheidet die jeweilige GK.

Die Gruppengrößen der GWP soll möglichst einen Richtwert von 12 Schülerinnen und Schülern nicht überschreiten, um eine individuelle Zuwendung der Lehrenden zu erleichtern. Bei der Einteilung der Gruppen ist anzustreben, dass möglichst gleich viele Jungen und Mädchen in der Gruppe sind.

Die Steigerung der Sozialkompetenz durch die GWP soll mit Hilfe Körper bildender Bewegungs- und Kampfkünsten oder der Beschäftigung mit Musik erreicht werden. Hierzu gehören (je nach Schwerpunkten der Lehrenden (Trainer)) Die Kampfkünste Karate, Kungfu, Jiu Jitsu oder Kendo sowie die Bewegungs- und Meditationskünste Yoga, Qigong und Taiji. Aus dem europäischen Kulturkreis eignen sich Angebote wie Trommeln, Erlernen des Spielens eines Musikinstrumentes, Tanz (Ausdruckstanz oder Jazzdance) oder auch bestimmte Formen der Theaterpädagogik.

Eine weitere Möglichkeit der Gestaltung einer GWP-Einheit ist die Ausbildung von Schulsanitätern oder zum Streitschlichter. Diese Qualifikation ist zwar nicht ausdrücklich Körper bildend, doch sehr gut geeignet zur Steigerung der Sozialkompetenz.
Für Rückfragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

Wolfgang Pein priv.: Kasernenstraße 20, 38106 Braunschweig
(Rektor) dienstl.: GHS Sophienstr., Sophienstr. 17, 38118 Braunschweig
Tel: priv.: 330459 oder 01704232403
dienstl.: 890931 FAX 2809676
Kto Nr.: 2844637 BLZ 25050000 NORD/LB

BZ-Artikel Download des Artikels der BZ vom 14.10.2005